Nach fünfzehn Jahren auf der Markenseite führt Malick S. Loum seine Agentur wieder selbst. Aus einem Haus werden zwei Marken und aus einer Dienstleistung eine Haltung.
Es gibt einen Moment, in dem sich entscheidet, ob ein Abend gelingt. Er liegt nicht bei der Eröffnungsrede und nicht beim Dessert. Er liegt zwei Stunden davor, wenn der Saal noch leer ist, die Gläser gerichtet sind und jemand prüft, ob das Licht über dem Tisch in der dritten Reihe dieselbe Temperatur hat wie über dem ersten. Wer diesen Moment kennt, weiss, warum Markenarbeit selten am Konzept scheitert.
Malick S. Loum kennt ihn. Die Zürcher Freddy Burger Management gehört seit 1969 zu den führenden Veranstaltern des Landes und brachte Cirque du Soleil, die Blue Man Group und die grossen Disney-Musicals auf Schweizer Bühnen. Als General Manager ihres Merchandising-Arms, der Intershow Merchandising AG, verantwortete Loum dreissig Projekte in ganz Europa und über tausend Shows im Jahr.
Die Häuser: die Bregenzer Festspiele, das Theater 11 in Zürich, das Musical Theater Basel. Die Produktionen: Cats, We Will Rock You, Thriller Live, Stomp, die Rocky Horror Picture Show und das Alvin Ailey American Dance Theater, dazu Konzerte von Helene Fischer. Wer an einem einzigen Abend zwanzig Leute an sechs Verkaufsstellen koordiniert und am nächsten Morgen die Nachkalkulation vorlegt, lernt etwas über Marken, das kein Seminar vermittelt.
Später führte er das Marketing von Logitech in der Schweiz, zuletzt als Head of Marketing. Danach folgten sechs Jahre bei Bang & Olufsen, zeitweise als Interim Head of Switzerland, mit Verantwortung für Grossanlässe im obersten Vermögenssegment.
Seit dem 1. August 2026 führt er wieder seine eigene Firma. Vollzeit, ohne Nebenrolle.
Zwei Marken, ein Rechtsträger
Die sichtbarste Veränderung ist eine Teilung. Aus dem, was seit 2011 unter Loumpromotion (Switzerland) Ltd. lief, werden zwei Auftritte: loumpromotion für Produktion und Umsetzung, loumconsulting für Beratung und Positionierung. Rechtlich bleibt es ein Haus mit einer Bilanz und einer Verantwortung. Nach aussen sind es zwei Sprachen für zwei Aufgaben.
Der Grund dafür ist weniger kosmetisch, als er wirkt. Wer Werbeartikel beschafft und gleichzeitig über Markenstrategie spricht, wird in der Wahrnehmung auf das Konkretere reduziert, auf das Ding statt auf den Gedanken. Umgekehrt gilt: Eine Beratung, die auch Merchandising verkauft, gerät in den Verdacht, ihre Empfehlungen könnten dem eigenen Sortiment folgen. Die Trennung löst beides. Sie macht ausserdem transparent, was ohnehin zutrifft: Beratung wird nach Zeit und Verantwortung honoriert, Produktion nach Leistung und Menge.
Unter loumconsulting laufen drei Praxisfelder. Strategie meint Positionierung, Markteintritt Schweiz, Handels- und Distributionsstruktur sowie Marketingführung auf Zeit. Signal umfasst Social-Media-Management, Redaktionssysteme und Handelspartner-Kommunikation. Szene steht für Markenanlässe von der Dramaturgie bis zur Regie und wird projektbezogen gerechnet.
loumpromotion behält, was das Haus seit 2011 kann: Werbeartikel und Kundengeschenke, Merchandising, Corporate Fashion, Eventproduktion und das Personal für Messen und Anlässe. Neu kommt Social-Media-Management als Betriebsleistung hinzu, nicht als Empfehlung, sondern als Redaktionsplan, der auch dann hält, wenn eine Woche eng wird.
Ein Markt, der sich gerade neu ordnet
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die grossen Agenturnetzwerke konsolidieren. Der Zusammenschluss von Omnicom und Interpublic, im November 2025 angekündigt, führt zu einem Stellenabbau in vierstelliger Höhe. Spezialisierte Eventhäuser wechseln den Besitzer. Für Kunden bedeutet das: Teams werden zusammengelegt, Ansprechpartner wechseln mitten im Projekt, und die Person, die im Erstgespräch überzeugt hat, ist beim vierten Termin nicht mehr im Raum.
Genau dort setzt die Positionierung an. «Wer im Erstgespräch sitzt, ist auch am Eventabend im Raum», heisst es auf loumconsulting.ch. Das ist als Zusage gemeint, nicht als Werbeversprechen. Der Preis dafür ist der Verzicht auf Skalierung. Das Haus bleibt klein, absichtlich.
Reduktion als Entscheidung
Sichtbar wird die Neuausrichtung zuerst an der Gestaltung. Beide Marken tragen dieselbe Wortmarke: der Name in Kleinschreibung, das «loum» in mittlerer Strichstärke und Schwarz, der Tätigkeitsbegriff in Magerschnitt und Grau, darunter eine Linie über die Wortbreite. Sie wird an den Unterlängen ausgespart, beim «p» von promotion als Ausschnitt von 0,31 Geviert, mittig auf dem Abstrich. Solche Angaben klingen nach Pedanterie. Sie sind der Unterschied zwischen einem Logo und einer Marke.
Die Palette umfasst drei Werte: Schwarz, Grau, Weiss. Keine Akzentfarbe. Differenzierung entsteht über Weissraum und Schriftgewicht. Als Schrift dient die Hanken Grotesk, eine Grotesk mit offenen Formen und ruhiger Anmutung, in vier Schnitten von ExtraLight bis Medium.
Wer das für Zurückhaltung um ihrer selbst willen hält, verkennt die Zielgruppe. Im Premium-Segment ist Lautstärke ein Signal, allerdings das falsche. «Premium ist kein Preisniveau. Es ist die Summe der Entscheidungen, die niemand sieht», steht auf der Beratungsseite. Der Satz beschreibt zugleich, wie der Auftritt selbst gebaut ist.
Zwei Websites, vier Sprachfassungen
Seit Ende August sind beide Auftritte online, jeweils auf Deutsch und Englisch. Die englische Fassung ist keine Übersetzung, sondern eine eigene Textarbeit. Wo im Deutschen «Werbeartikel» steht, heisst es «promotional products», der Begriff, unter dem im englischsprachigen Raum tatsächlich gesucht wird.
Für loumconsulting ist die Zweisprachigkeit strategisch. Die Zielgruppe sind internationale Premium-Marken, die in den Schweizer Markt wollen und dabei auf einen kleinen, dreisprachigen Absatzraum mit eigenen Handelsstrukturen treffen. Deren Entscheider sitzen in Kopenhagen, München oder Paris und suchen nicht auf Deutsch.
Was bleibt
Die Referenzen des Hauses sind älter als der neue Auftritt. Merchandising für die Seefestspiele Mörbisch mit 200’000 Besuchern im Jahr. Markenanlässe im obersten Segment: The Epicure im Zürcher Dolder Grand, The I.C.E. International Concours of Elegance in St. Moritz, dazu Partneranlässe mit internationalen Automobilhäusern. Bei Logitech der Launch der Red Bull Gaming World im Verkehrshaus Luzern. Bis zu zwanzig Mitarbeitende im Einsatz, wenn ein Projekt es verlangt.
Was sich ändert, ist nicht die Fähigkeit. Es ist die Frage, an welchem Tisch sie eingesetzt wird.
Loumpromotion (Switzerland) Ltd.,
Im Sunnebüel 9
8800 Thalwil